„Die Nächste, bitte!“

„Die Nächste, bitte!“

Meine Erfahrungen als Tinderella

Ja ich gebe es zu! Ich habe getindert. Sogar sehr laaange... Angefangen hat das ganze nach der Trennung einer langjährigen Beziehung. In dieser Zeit ging es mir wirklich schlecht. Ich habe mich nicht selten sehr alleine gefühlt. Dazu kam, dass ich nach einer fast fünfjährigen Beziehung meinen „Marktwert“ testen wollte. 

Ja liebe Mädels, ihr hört richtig. Auch die Typen denken so. :P

Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, an dem ich das erste Mal Tinder runtergeladen habe. Damals war ich bei einem Freund und seiner Freundin. Sie wollten ein Date für mich klar machen. Die Auswahl erschien riesig und schon schnell merkte ich, wie simpel diese App aufgebaut war. Schnell hatte ich ein Match und schrieb meine erste Tindernachricht: "Hi." 

"Du kannst doch nicht einfach nur "Hi" schreiben. Das schreibt doch ungefähr jeder Typ. Du musst besonders sein!" Ich fing an mir Gedanken zu machen, wurde kreativ, hatte Spaß, lenkte mich ab... 

Anstatt die App wieder zu löschen, fing ich an, mir einen Spaß daraus zu machen. Ich saß tatsächlich alleine zu Hause auf der Couch und wischte mit einer gewissen Leichtigkeit nach rechts in der Hoffnung, ebenfalls gematcht zu werden.. Konnte das wirklich mein Ernst sein? 

Manchmal habe ich sogar Personen „geherzt“, die ich vielleicht im wahren Leben gar nicht so gut gefunden hätte. Und wieso? Selbstbestätigung! Reine Selbstbestätigung. 

Ich habe die Personen nicht nur gematcht, ich habe die Personen teilweise auch gedatet. Ich hatte mehrere hundert Matches und Chatverläufe auf Tinder. Darauf muss man jedoch absolut nicht stolz sein..

Eigentlich liefen die Treffen alle sehr ähnlich ab. Es gibt so eine Art „Schnupperphase“, in der einem bewusst werden sollte, ob man das Date weiterführt oder ob zufällig das Handy klingelt und etwas Wichtiges dazwischen kommt. Letzteres ist mir ehrlich gesagt noch nie passiert. Meine Tindertreffen verliefen eigentlich immer sehr gut, auch wenn es nur für den Moment war und man nach dem Treffen sich nicht noch einmal gesehen hat. Romantisch war es nicht. Tinder hat mit Romantik so viel zu tun wie ein weiblicher Oberlippenbart mit einem „Vogue-Cover“. Es gab jedoch auch Tindertreffen, mit denen ich mich mehrmals getroffen habe, weil wir uns einfach gut verstanden haben. Mit wenigen habe ich heute auch noch freundschaftlichen Kontakt. 

Vor kurzem habe ich mich dann aber ernsthaft gefragt, welchen Mehrwert mir Tinder geboten hat. Brauche ich wirklich Tinder, um neue Leute kennenzulernen, nette Gespräche zu führen, neue Orte zu entdecken, lecker essen zu gehen? Es ist doch viel cooler, wenn man jemanden im Supermarkt oder auf der Straße kennenlernt. 

Dann habe ich mir folgendes vorgestellt:

Du triffst dich mit einem Mädel in einer Bar, ihr versteht euch, alles passt. Dann gehst du kurz auf Toilette und zack! Sie holt direkt ihr Handy raus und tindert fröhlich weiter. Denn bedenke eins! Glaub nicht, dass der andere nach einer schönen Begegnung die Suche für immer einstellt. „Vielleicht kommt ja noch wer Besseres?“

Meine Denkweise hat sich im Bezug auf Tinder komplett geändert. Für mich sind Leute die Tinder benutzen verzweifelt, gelangweilt, abgestumpft, naiv oder unfähig, allein zu sein. 

Letztendlich habe ich Tinder gelöscht. Ich versuche es lieber auf die altmodische Art jemanden kennenzulernen. 

 

Cheers!

Photograph: www.instagram.com/kilaurine

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